ENTWURF
Ein unbekannter Mann, dem Joe – der Ich-Erzähler in dieser Geschichte – an einem kalten Februarmorgen auf dem Weg zur Arbeit am Bahnhof begegnete, stellte ihm diese ungewöhnliche Frage. Joe war etwas irritiert darüber und auch nicht in der Stimmung für ein Gespräch. Als er den Unbekannten nach einer Woche dann schließlich wieder traf, ließ er sich die Gelegenheit nicht entgehen, ihn anzusprechen. Er hatte in den vergangenen Tagen immer wieder über die mögliche Bedeutung dieser Frage nachgedacht und jeden Morgen am Bahnhof nach dem Fragesteller Ausschau gehalten. Nun begrüßte er ihn und nannte ihm seinen Namen. Der Ich-Erzähler erfuhr, dass dieser ungewöhnliche Mann mit der besonderen Ausstrahlung Thomas hieß. Auf die Bitte von Joe, ihm die Bedeutung der Frage zu erklären, antwortete Thomas zunächst mit einer Gegenfrage:
„Joe, wissen Sie, wie lange die meisten Menschen leben?“ Ich [Joe] zuckte mit den Achseln. „Keine Ahnung, vielleicht 70 Jahre oder 80“, antwortete ich. „Sie sind nah dran“, sagte er. „Im Durchschnitt leben die Menschen in den USA ungefähr 28 200 Tage beziehungsweise rund 77 Jahre. Manchmal sind es mehr und manchmal sind es weniger, aber statistisch gesehen sind es circa 28 200 Tage.“< SeineAntwort überraschte mich. „>Ich habe noch nie über die Anzahl der Tage nachgedacht“<, sagte ich. >“Aus irgendeinem Grund kommt es mir so kürzer vor, als wenn man an die Jahre denkt.“ – „Ja, so ist es, sagte Thomas. >“Es wirkt realer.“< >“Gut, sagte ich, >“ein Leben dauert also im Durchschnitt 28 200 Tage. Was hat das mit einem Museumstag zu tun?“ „Waren Sie schon einmal in einem Museum, Joe? Sind Sie je durch die Säle geschlendert und haben sich alte Fotos angesehen? Aufnahmen von Menschen bei der Arbeit oder in einer Militäruniform, vielleicht einige Familienfotos oder witzige Schnappschüsse mit Freunden?“<
Joe stimmte ihm zu und Thomas erzählte ihm daraufhin von einem Museumsbesuch, bei dem ihm folgender Gedanke gekommen war:
„Was wäre. wenn jeder Tag unseres Lebens katalogisiert würde? Unsere Gefühle, die Menschen, mit denen wir zu tun haben, die Dinge, mit denen wir unsere Zeit verbringen? Und wenn am Ende unseres Lebens eir Museum errichtet würde, in dem genau zu sehen wäre. wie wir unser Leben verbracht haben?“ Ich sah Thomas fragend an. „Stellen Sie sich einmal Folgendes vor, Joe: Wenn wir 80 Prozent unserer Zeit mit einem Job verbrächten, der uns nicht gefällt, dann wären auch 80 Prozent des Museums genau damit gefüllt. Man würde Bilder und Zitate sowie kurze Videofilme sehen, die Szenen verschiedener unglücklicher Momente zeigen. Wenn wir zu 90 Prozent der Menschen, mit denen wir zu tun haben, freundlich wären, würde man genau das in dem Museum zeigen. Aber wenn wir ständig wütend und ungehalten wären oder 90 Prozent der Menschen in unserem Umfeld anschreien würden, könnte man auch das sehen. Alles wäre mit Fotos, kurzen Videoclips und Hörbeiträgen dokumentiert.
Joe hörte Thomas zu, wie er weitere Beispiele brachte, wie und mit welchen Beschäftigungen Menschen möglicherweise einen großen Teil ihrer Lebenszeit verbringen. Thomas schien ganz in seinem Element zu sein und fuhr fort:
„Stellen Sie sich vor, wie es wäre, am Ende unseres Lebens durch das Museum zu gehen. Die Videos zu sehen, die Tondokumente zu hören und die Bilder zu betrachten. Wie würden wir uns dabei fühlen? Wie würden wir uns fühlen, wenn wir wüssten, dass uns das Museum für immer und ewig so zeigen würde, wie man sich an uns erinnert? Alle Besucher würden uns genau so kennenlernen, wie wir tatsächlich waren. Die Erinnerung an uns würde nicht auf dem Leben basieren, das wir uns eigentlich erträumt hatten, sondern darauf, wie wir tatsächlich gelebt haben.“
Aus diesem Grund war Joe also einige Tage zuvor von Thomas gefragt worden: „Ist heute ein guter Museumstag?“
Mich hat dieses Gespräch, aus The Big Five For Life von John Strelecky sehr inspiriert. (Farbiger Zitat-Text: Passagen aus dem Buch). Ich habe diese Idee dann mal etwas weitergedacht und mir vorgestellt, dass es in dem Museum unseres Lebens lange, schlichte, etwas düstere Flure gäbe für alle normalen Tage mit Eintönigkeit oder Stress, dem üblichen Hamsterrad, mit Frust im Beruf, Unzufriedenheit durch Beschäftigungen, bei denen wir uns eigentlich entspannen wollen, die uns aber unterschwellig nicht guttun, mit Streitereien und Nörgeleien oder einfach Langeweile im immer g|eichen Alltag. Es gäbe im Museum unserer Erinnerungen aber auch einen besonders schönen Saal, der hell und lichtdurchflutet ist, vielleicht mit einer wundervoll verzierten Kuppel. Er sähe aus wie der Ballsaal in einem Schloss und nur
Erinnerungen an ganz besondere Tage würden einen Platz in diesem Saal bekommen.
Erinnerungen an Tage, an denen wir in vielen
Situationen achtsam waren, wir Freude empfunden haben, Tage, an denen wir uns kleine
Glückskonfetti-Momente im Alltag geschaffen, Zeit mit lieben Menschen verbracht haben, einer Tätigkeit nachgegangen sind, die uns Freude gemacht hat oder etwas Neues ausprobiert haben. Dieser Saal ist für Erinnerungen an Dankbarkeit, mutige Entscheidungen, wenn wir beginnen, uns einen Traum zu verwirklichen oder das Verlassen des gewohnten Alltags um neue Erfahrungen zu machen.
Du würdest sicher auch wollen, dass möglichst viele Tage deines Lebens einen Platz in diesem besonders prunkvollen Saal bekommen.
Wieviele Tage deines bisherigen Lebens hätten wohl einen Anspruch darauf? Und wieviele kämen in den düsteren, kargen Flur?
Gib jedem Tag die Chance auf einen besonderen Platz im Museum deiner Erinnerungen.
Aber wie mache ich das jetzt? Wie kann ich mehr Konfettimomente in meinen Alltag bringen, mehr Farbe ins triste Grau?<
Wenn du dich das ietzt gorada gofraat hact aaho ich dir gerne folgenden Gedanken mit: Der erste Schritt ist schon getan, in dem Moment, indem du beschließt, den Fokus auf dieses Thema zu lenken. Gehe auf die Suche nach den kleinenGlücksschnipseln, die es jeden Tag geben kann, ohne das wir sie bemerken.(Wenn wir sie wahrnehmen, vergessen wir sie leider oft schnell wieder.)Wenn du bewusst danach suchst, um sie gedanklich im Laufe des Tages zusammeln, wirst du sie nicht übersehen und nicht vergessen. Du kannst sie am Abend dann in ein Notizbuch schreiben. Vielleicht verwendest du dafür die Frage >War heute ein guter Museumstag?<
Als nächstes kannst du auch bewusst dafür sorgen, mehr schöne Momente zu erleben.